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Nordsollingreh
Rehkitzrettung Nordsolling e.V.
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Quelle: Täglicher Anzeiger Holzminden
Rehkitzrettung Nordsolling bewahrt Jungtiere vor dem sicheren Tod der

Von Maurice Lubina
03.06.2026
Warbsen.
Es ist ein ruhiger Morgen rund um Warbsen im Landkreis Holzminden. Die
Uhr zeigt 4.40 Uhr und eine orangefarbene Morgendämmerung deutet sich
hinter der Rühler Schweiz an. Es ist kalt, die Jalousien der Wohnhäuser sind
unten. Fast alles schläft zwei
Menschen aber sind schon auf den Beinen.
Die Stadtoldendorfer Tierärztin Astrid Trautmann und der Neuhäuser
Landwirt MaxBenedikt
Merle haben ihre Nacht zum Wohle eines
besonderen Engagements verkürzt. Sie machen sich auf den Weg zu Feldern
und Wiesen, um Rehkitze vor dem Tod zu retten. „Dann wollen wir mal“,
leitet Trautmann den arbeitsreichen Morgen ein. Der Motor startet.
Insgesamt neun Wiesen warten heute und
die ein oder andere wird zeigen,
warum die Arbeit des Vereins Rehkitzrettung Nordsolling e. V. so wichtig ist.
Seit 2022 schon ist der Verein aktiv. Gegründet wurde er von Astrid
Trautmann und ihrem Mann. „Ich habe damals eine Reportage gesehen“,
erklärt sie. „Das hat mich total angefasst. Diese Bilder von den schwer
verletzten oder toten Kitzen ... einfach schrecklich.“ Für die Tierärztin war
klar: Sie musste etwas unternehmen. „Ich bin fast wahnsinnig geworden“,
erinnert sie sich. Inzwischen sind Trautmann und etwa 18 weitere
Freiwillige, jedes Jahr ab Ende April für zehn Wochen in der Region
unterwegs.
„Landwirte, die ihre Wiesen mähen wollen, melden sich bei uns“, erklärt
Trautmann. Die Flächen vor der Maht absuchen: eine Pflichtaufgabe für die
Landwirte und wichtig, denn: Die Ricke (RehMutter)
legt ihr Jungtier im
hohen Gras zum Schutz vor Fressfeinden ab. Das Fatale: Die Rehkitze haben
in den ersten Wochen keinen Fluchtinstinkt. Im sogenannten „Duckreflex“
drücken sich die Tiere bei Gefahr regungslos auf den Boden auch
bei
starkem Lärm. Die Folge: schwere Verletzungen oder oft auch ein qualvoller
Tod durch Mähwerkzeug.
Es ist 5.05 Uhr, als Trautmann und Merle an diesem Morgen die erste Wiese
erreichen. Vor Ort ist auch Landwirt Jeremy Ohm seiner
Familie gehören
alle Flächen, die an diesem Morgen untersucht werden. Heute soll gemäht
werden. Ein kurzer, vertrauter Plausch, dann starten die Rotoren einer
kleinen Drohne. Laut hebt sie ab, leise verschwindet sie in der Ferne. Auf
einem Bildschirm haben die Rehkitzretter alles im Blick. Durch eine
Wärmebildkamera sind Temperaturunterschiede zu sehen und
die sind in
den Morgenstunden am höchsten.
Ist die Drohne in der Luft, liegt der Fokus auf hellen Punkten. „Wenn wir
eine weiße Fläche sehen, können wir mit der Drohne näher heranfliegen“,
erläutert Trautmann. Doch nicht immer handelt es sich dann auch wirklich
um ein Rehkitz. Der erste Fleck des Tages entpuppt sich als Erdloch vermutlich
ein Fuchsbau. Auch die weitere Suche zeigt keine verdächtigen
Stellen. „Na dann, frohes Schaffen“, sagt Trautmann schließlich zu Landwirt
Ohm. Nur wenige Momente später zieht er sein Mähwerkzeug durch das
hohe Grün. Ganz ohne Bedenken. Ganz ohne Tierleid.
Zurück im Auto blättert Astrid Trautmann durch mehrere Ausdrucke
verschiedener Satellitenbilder. Einige Flächen darin sind farblich markiert.
Die Rehkitzretterin weiß, wohin es als Nächstes geht. Eine gute Organisation
ist alles aber
auch eine der größten Herausforderungen. „Innerhalb der
zehn Wochen funktionieren wir wie eine kleine Firma“, sagt Trautmann.
Aufträge koordinieren, Teams einplanen, Equipment instandhalten und
mehr. Eine zeitintensive Aufgabe. Hinzu kommen die Einsätze in den
Morgenstunden und
ganz nebenbei wartet auch noch der gewöhnliche
Alltag. „Das kostet Kraft und Schlaf“, weiß die Tierärztin.
Inzwischen ist es 5.30 Uhr. Über unwegsames Gelände geht es zur nächsten
Wiese. Noch immer ist es kalt, das Farbenspiel am Horizont aber ist schon
jetzt eine unbezahlbare Entlohnung für den frühen Wecker. In der
morgendlichen Ruhe, zwischen Vogelgezwitscher und dem Duft von
feuchtem Gras, wiederholt sich der Prozess. Die Drohne sorgt kurz für Lärm
und verschwindet wenig später geräuschlos in der Ferne. Nach etwa zehn
Minuten gibt es auch hier Gewissheit: kein Rehkitz. Der Landwirt wird
informiert.
Auch Wiese Nummer drei birgt keine Überraschungen. Auf Wiese Nummer
vier aber dann wieder eine verdächtige weiße Fläche auf dem Bildschirm.
Der Puls schnellt hoch, die Anspannung steigt. MaxBenedikt
Merle ist auf
dem Weg zum Auto, will Handschuhe und Transportbox holen. Dann
Entwarnung: Es ist ein Hase. Luft holen und durchatmen zumindest
gilt
das für den Reporter. Astrid Trautmann wirkt entspannt. Schießt ihr nicht
das Adrenalin durch den Körper? „Jetzt nicht mehr“, sagt sie und lacht.
Anfangs sei es so gewesen, die Erfahrung aber regele das.
Anders ist es wohl bei MaxBenedikt Merle. Er ist noch nicht lange dabei, hat
als Landwirt die Hilfe des Vereins selbst in Anspruch genommen und
anschließend entschieden, ein Teil davon zu werden. Bei einem Einsatz am
Vortag hat er sein erstes Kitz gerettet. „Das war ein unbeschreibliches
Gefühl. Dieses kleine Lebewesen in der Hand zu halten und zu wissen, dass
es mit seiner Mutter weiterleben darf“, berichtet der Landwirt. „Mir ist dabei
klar geworden, was wir da eigentlich anrichten, wenn wir die Rehkitzrettung
nicht in Anspruch nehmen. Wir zerstören ein Leben“, sagt Merle. Dann
wieder ein weißer Fleck auf dem Bildschirm. „Da solltet ihr schauen.“ Merle
eilt zum Auto. Der Puls steigt. Mit Transportbox und Handschuhen geht es
los in Richtung Wiese. Trautmann fliegt noch einmal näher an den Fleck
heran und sieht: Er hoppelt weg. Durchatmen.
Es geht weiter zu Wiese fünf des Tages. Inzwischen ist es 6.50 Uhr. Die Sonne
strahlt auf die Rühler Schweiz, dennoch bleibt es frisch. Unterwegs stoßen
Jäger Frank Grundler, seine Tochter Denise Eilers und Enkel Thore dazu.
Ihre Ortskundigkeit soll helfen, die nächsten Wiesen zu finden. Wieder steigt
mit der Drohne auch die Anspannung. Wieder hoppelt es im Grün. Ebenso
auf Wiese sechs. „Langsam wird es grenzwertig mit den Temperaturen“,
merkt Astrid Trautmann an. Die Kontraste der Wärmequellen sind nicht
mehr ganz so deutlich zu sehen. Die Zeit arbeitet jetzt gegen die
Rehkitzretter.
An Wiese sieben angekommen, ist zum ersten Mal genau das zu sehen,
worum es eigentlich geht. Am Rand des Grüns steht eine Ricke mit ihrem
Kitz. Ein kurzer Blick zu den Menschen, dann verschwinden sie im Wald.
Gibt es noch mehr auf der Wiese? Die Drohne startet. Schweigen. Gespannte
Blicke auf den Bildschirm und in die Ferne. Dann eine verdächtige Fläche.
„Wollt ihr mal gucken?“ fragt Trautmann. MaxBenedikt Merle, der 13jährige
Thore Eilers und der Reporter machen sich auf den Weg. Etwa 150
Meter geht es durch nasses, kniehohes Gras. Der Blick immer wieder nach
oben gerichtet. Wo fliegt die Drohne? Wo ist das Kitz? Das Summen der
Drohne mischt sich mit Trautmanns Stimme, die durch ein Funkgerät tönt.
„Noch drei, vier Schritte ... weiter, weiter. Stop.“ Thore Eilers und MaxBenedikt
Merle schauen sich vorsichtig um. Dann der Griff zum Funkgerät.
„Ja, wir haben eines.“
Ab jetzt ist Vorsicht gefragt. Das Rehkitz wird nicht flüchten, dennoch hat es
Stress und sollte es zu viel Menschengeruch an sich tragen, könnte es von
der Mutter abgestoßen werden. Landwirt Merle zieht ärmellange
Handschuhe an. Kurzerhand ist eine kleine blaue PlastikBox aufgebaut.
Merle pflückt Gras, legt es in den Behälter. Jetzt braucht es weiteres Gras. Mit
dem Grün in der Hand, hebt er das Rehkitz vorsichtig hoch. Es ist ruhig, so
klein und schwer wie eine Katze. Es rührt sich nicht. Nur einen Augenblick
später liegt es wohlbehalten in der Box. Weitere Augenblicke später steht die
Box am Wiesenrand. „Hier ist das Rehkitz jetzt gesichert“, verrät Merle. Der
Landeigentümer wird informiert, wird zügig mähen und das Rehkitz
schließlich freilassen. Die Ricke wird schon bald kommen und nach dem
Tier rufen. Dank des Einsatzes der Rehkitzretter, wird sie es wohlbehalten
finden.
Auf der nächsten Wiese wird es weitere Funde geben. Ein Rehkitz wird
selbstständig zur Mutter flüchten. Zwei weitere werden gesichert. Zwei
andere Teams der Rehkitzrettung haben an diesem Morgen auch jeweils drei
Kitze finden können. Insgesamt, so berichtet Astrid Trautmann, konnten in
den vergangenen Jahren durch den Verein mehr als 500 Tieren das Leben
gerettet werden.
Es ist etwa 8.30 Uhr, als der Einsatz an diesem Morgen endet. Hinter allen
Beteiligten liegen gut vier Stunden Kälte, Nervenkitzel und Konzentration.
Die Kleidung ist nass. Auf Trautmann wartet noch eine weitere Wiese,
danach noch ein gewöhnlicher Arbeitstag. Ebenso gilt es für die anderen
Rehkitzretter. Ihr Engagement, es kostet Kraft. Es kostet Schlaf. Es kostet
Zeit. Doch was bleibt, ist wohl etwas, das mit keinem Geld zu bezahlen ist. Es
sind die Bilder von kleinen Rehen, die dank ihrer Hilfe weiterleben dürfen.
Und es ist dieses wohlige Gefühl, etwas Gutes getan zu haben. „Es ist für
mich die Gewissheit, dass ich am richtigen Ort, zum richtigen Zeitpunkt bin“,
sagt Trautmann.

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Anerkennung von unabhängiger Jury für die Arbeit der Rehkitzrettung Nordsolling e.V.
 
 
Bürgerschaftliches Engagement verdient Anerkennung und Unterstützung. Vor allem am Anfang einer Idee hängt es oft vom verfügbaren finanziellen Rahmen ab, ob ein gemeinwohlorientiertes Projekt umgesetzt werden kann oder nicht. Aus diesem Grund vergab Westfalen Weser bereits zum 17. Mal „100 Förderpakete“ an Vereine, Initiativen und andere Projektrealisierer*innen, die sich in wohltätiger, sportlicher, kultureller, wissenschaftlicher oder künstlerischer Weise gemeinwohlorientiert engagieren wollen.
 
Zu den 100 von Westfalen Weser geförderten Projekten gehört in diesem Jahr auch die Tätigkeit des Vereins Rehkitzrettung Nordsolling e.V. mit Sitz in Stadtoldendorf. Der gemeinnützige Verein darf sich über eine Förderung in Höhe von 750 Euro freuen. Die unabhängige Jury würdigt damit zum einen den ehrenamtlichen Einsatz der Mitglieder für den Tierschutz; zum anderen aber auch den gesellschaftlichen Beitrag, unterschiedliche Interessengruppen im Verein und durch ihre Aktivitäten zusammen zu führen. Die Rehkitzrettung Nordsolling vereint Jägerinnen und Jäger, Landwirtinnen und Landwirte und solche Naturschützer*innen verschiedenster Berufe, sozialer Herkunft und Altersgruppen, die sonst keinen Bezug zu den erstgenannten Zünften haben. Das alles mit dem gemeinsamen Ziel, Rehkitze vor dem Mähtod zu bewahren. Da die erfolgreiche Kitzrettung neben vielen Stunden zu nachtschlafender Zeit den Einsatz teurer Drohnen- und Kameratechnik nötig macht, stiftet die Förderung von Westfalen Weser nicht nur Motivation, sondern auch einen Teil der benötigten Mittel, um in der kommenden Saison weiterhin einen Beitrag für Tierschutz und die Gemeinschaft leisten zu können.
 
Alle weiteren Informationen zu den Förderpreisträgern finden Sie unter: www.westfalenweser.com




Die Gründungsmitglieder, von links: Rolf Möller, Tierarzt Dr. Klaus  Seitz, Stefan Mönkemeier, Christof Möller, Carsten Campe und Tierärztin  Dr. Astrid Möller-Trautmann. Foto: Rustenbach   
Stadtoldendorf. Jedes Jahr werden in der Region am Nordsolling zwischen Anfang Mai und Ende Juni zahlreiche Rehkitze geboren. Als Liegeplatz für das Rehkitz bevorzugt die Mutter Wiesen mit hohem Bewuchs. Natürlich werden dabei auch oft bewachsene Felder ausgewählt, was für die Jungtiere allerdings eine potenzielle Gefahr darstellt: Beginnt der Landwirt mit dem Ernte- und Mähvorgang, kann er das Rehkitz vorher nicht sehen – aufgrund der Größe ist es schier unmöglich, das gesamte Feld vorher zu kontrollieren. Genau hier möchte nun der neu gegründete Verein Rehkitzrettung Nordsolling e.V. aus Stadtoldendorf unterstützen und die Rehkitze auf moderne Art und Weise, nämlich mittels einer professionellen Drohne, vorher retten. Der Verein verfügt dazu über eigens für diesen Zweck ausgestattete Drohnen mit hochsensiblen Wärmebildkameras, die in der Lage sind, auf Grund der vom Tier abgegeben Körperwärme Rehkitze (und andere Tiere) im hohen Gras aufzuspüren.
 
Da junge Rehkitze noch geruchsarm sind, können sie vom Raubwild nicht durch den Geruch aufgespürt werden. Die Mutter sucht den Liegeplatz ihres Jungen nur zum Säugen auf, um Feinde nicht zum hilflosen Kitz zu führen. Nach jedem Säugen wird das Rehkitz von der Mutter zu einem neuen Liegeplatz geführt. Mehrere Rehkitze legen sich an unterschiedlichen Stellen ab, je älter sie werden, umso mehr rücken sie zusammen. Nähert sich Gefahr, drückt sich das Kitz fest und regungslos auf den Boden. So versucht es, Raubtieren zu entgehen. Der sogenannte Drückinstinkt ist in den ersten zwei Lebenswochen besonders ausgeprägt – und zur Ernte- und Mähzeit gefährlich für das Tier. Diese vermeintliche Notlage ist also tatsächlich ein Instinkt, um Beutegreifern zu entgehen. Dieses Verhalten der Tiere ist für Landwirte und Jagdpächter jedes Jahr erneut ein Problem, da die Kitze Gefahr laufen, den Maschinen, die zur Grasmahd eingesetzt werden, zum Opfer zu fallen.
 
Mehr lesen Sie im TAH am 4. Januar 2022
Rehkitzrettung Nordsolling e.V.
1. Vorsitzender  Christof Möller
Ziegeleistr. 7    37627 Stadtoldendorf    

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